Matthias Daum

Freier Wortarbeiter

Es Dach über em Chopf

«Es Dach über em Chopf» reicht heute nicht mehr. Häuser von heute müssen viel mehr sein. Mitunter energiesparend. Wie die Raumzelle SELF der EMPA; die wenige Tage vor der Artikelpublikation in Flammen aufging.

Oder der sanierte Altbau. Eine Spezialität des Zürcher Architekten Karl Viridén.

Das Problem dabei: Energieeffizienz kostet. Günstige Wohnungen sind sowieso Mangelware. «Für die Wunschwohnung fehlt meistens das Geld», sagt Margrit Hugentobler, Leiterin des ETH-Wohnforums. – Die drei Artikel erschienen in den letzten Wochen in der Immobilien- und einer Energie-Beilage der NZZ.

Land unter, Haus schwimmt

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Seit Jahrhunderten trotzen die Niederlande dem Meer. Riesige Deiche halten die Fluten zurück. Nun denkt man um. Schwimmende Städte sollen das Land vor dem Untergang bewahren. – Darüber schreibe ich im heutigen Wissenschaftsteil der NZZ.

Federführend bei dieser «floating architecture» ist das niederländische Architekturbüro Waterstudio.nl – Dass die Idee nicht neu ist, zeigt ein Blick in die utopische Literatur und die Architekturgeschichte. Auch darüber schreibe ich in der NZZ. (Mit herzlichem Dank an Kunsthistoriker Thomas Gnägi für die Hilfe bei der Recherche.)

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Richard Buckminster Fuller. «Triton City» (1968).

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Kenzo Tange. «Plan for Tokyo» (1959).

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Kiyonori Kikutake. «Marine City»

Tanzende Punkte, schwingende Zeilen

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Der Westen hat einen verstellten Blick auf den chinesischen Städtebau. Die Metropolen im Reich der Mitte sind mehr als eine Kopie westlicher Ideen: Das Land erfindet die Stadt neu, sagt der Soziologe Dieter Hassenpflug. Sein Blick auf die Stadtentwicklung im Reich der Mitte öffnet Augen. Auch chinesische. – Hierzu meine Reportage im heutigen Feuilleton der NZZ.

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Zusätzliche Bilder finden sich hier.

Und damit man sich ein Bild machen kann, wo die beschriebenen New Towns liegen: Unten stehend eine Google-Map. Hinweis: Die Metro-Linie lassen sich einblenden.


Der urbane Code Chinas auf einer größeren Karte anzeigen

2000 Watt – 2000 What?

43494296Cool Cities. Der Titel ist catchy. Wie immer, wenn niederländische Architekten sprechen, schreiben, denken, bauen. Einer ihrer bekanntesten Vertreter sprach am Dienstagabend in Zürich. Und der 50-jährige Winy Maas liess sich nicht lumpen. Eine Powerpoint-Präsentation als visuelles Sperrfeuer. In 80 Minuten bombardierte er die Zuhörer mit geschätzten 300 Fotos, Statistiken, Renderings. Leserbar war kaum etwas. Aber das ist eine bekannte Architekten-Masche. «Wissenschaftlichkeit, my ass!» ist ihr Motto. Da wird gebastelt, mit Zahlen jongliert, werden Daten zurechtgehämmert. Aber: Solche Bilderreigen sind inspirierend! Sehr sogar. Oder neudeutsch: «I like!» – zumindest bis vor ein paar Jahren.

Heute befallen einem Zweifel an dieser Arbeitsweise. Ist es noch zeitgemäss, dieses architektonische und städtebauliche Consulting? Oder ist diese Oberflächlichkeit, dieses «Ich-erzähl-euch-wie-die-Welt-funktioniert-aber-will-keine-Verantwortung»-Haltung nicht überholt? Müsste man Winy und die Seinen nicht ebenso verfluchen, wie im Nachgang der Finanzkrise die Dampfplauderer von McKinsey-PWC-KMPG & Co.?

Denn, mit Verlaub, was Maas an seinem Vortrag oder im heutigen Tages-Anzeiger-Interview erzählt ist teils trivial – oder schlicht falsch. «Die grossen Investoren haben sich des Themas bereits angenommen», sagt Maas. Wir fragen: Wieso gibt es dann erst einige wenige Leuchtturm-Projekte, die den strengsten Nachhaltigkeits-Standards genügen? Genau, weil sich solche Projekte (noch) nicht lohnen; Stichwort: Ölpreis etc. Oder wenn er für Megastrukturen plädiert: Da hüpft unser Herz! Sehen auch toll aus, die Entwürfe. Aber: Nachhaltigkeit ist Realpolitik! Also: wer will in solchen gebauten Bandwürmern wohnen? Oder wenn Maas gegen den Skeptizismus wettert, ist das unterhaltsam – aber es offenbart die altbekannte dunkle Seite der Architekten-Zunft: Ihr demiurgisches Ich. Wobei er sich mit dieser Kritik selber widerspricht. Schliesslich meint er:

«Es geht ja bei diesen Fragen eigentlich um mehr als nur um Energie, es geht fast um eine Art Anspruch auf Wahrheit. Wir müssen aufpassen, dass wir all die neuen Nachhaltigkeitsregeln richtig interpretieren. Die Regeln haben ihre Berechtigung, ich aber frage mich: Was passiert, wenn wir die total nachhaltige Stadt gebaut haben?»

Genau darüber hätten wir gerne mehr gehört. Auch wir haben uns dazu schon Gedanken gemacht: Droht uns der Triumph des Mockens? Aber Maas’ Antwort zeugt von einem eklatanten Missverständnis des Themas.

«Wir können das Thema dann auf die Seite legen und uns an die nächsten Aufgaben machen.»

Falsch! Falsch! Falsch! Elendes Architektendenken! Nachhaltigkeit ist keine Mode. Kein Stil. Keine Religion. Nachhaltigkeit ist ein ewiges Streben. Nach weniger Energieverbrauch, besseren Lösungen. Und das in ästhetischen Formen.

Architekten sind totalitär. Immer.

CCTV Tower

«Le Corbusier bewunderte Hitler und die Nazis». Die Titelgeschichte der heutigen Weltwoche ist für Architekturinteressierte ein alter Hut; was auch die Kollegen von Hochparterre bemerkten. Köbi Gantenbein merkt an: Viel lieber hätte er gelesen, weshalb in der Öffentlichkeit Le Corbusier bis heute eine Leuchtfigur ist?

Die dringendste aller Fragen stellt aber auch Gantenbein nicht. Sie lautet: Wie halten es die heutigen Stararchitekten mit der Macht? Etwa in China. Wo Rem Koolhaas für das Staatsfernsehen CCTV baut und allen Ernstes meint, mit seinem Prunkbau einen «katalytischen Effekt» zu erzielen: «Mit dem Ziel, die herrschenden Bedingungen zu verändern». Vielleicht sollte man sich in Rotterdam die heutige Parade zum 60. Jahrestag zu Gemüte führen. Wandel und Öffnung sieht anders aus. Oder Herzog & de Meuron. Eine Szene im Dok-Film «Bird’s Nest» zeigt die Blauäugigkeit, mit der westliche Architekten in China agieren. Beim Spatenstich verlangt Pierre de Meuron nach einer Schaufel. Er kriegt keine. «I’m the architect!», meint er empört. Die chinesischen Offiziellen geben sich unbeeindruckt. Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan. Danke für den Entwurf! Merci für das Monument! Der Name Herzog & de Meuron fällt nie, wenn man an einer Führung durch das Olympiastadion teilnimmt.

Hugo Loetscher nannte Schanghai einen «Übungsplatz der Zukunft». Für Architekten sind autokratische Länder eine Spielwiese für die Erfüllung ihrer Gottvater-Fantasien. Kein mühsames Bewilligungsverfahren, keine Bauordnungen, die peinlich genau eingehalten werden müssen, keine Gewerkschaften, die sich gegen 24-Stunden-Schichtbetrieb wehren, keine Umweltschutzauflagen, die alles verteuern. Dafür: Korruption, Rechtsunsicherheit, Copyright-Verletzungen. Darüber, liebe Weltwoche, liebes Hochparterre, würden wir gerne mehr lesen. Roman Hollenstein hat vor anderthalb Jahren den Anfang gemacht.

Aber man könnte noch weiter gehen. Denn ist Architektur, sind Architekten nicht immer totalitär? Falls gewünscht, greifen wir dazu auch selber in die Tasten? Eigentlich sogar gerne. Mail oder Anruf genügt.

Freie Sicht aufs Jurameer

Die Stadt Biel ist ein Musterbeispiel für erfolgreiche Stadtentwicklung. Nun plant sie auf dem brachliegenden Expo-Areal eine visionäre Seestadt und sucht verstärkt die Zusammenarbeit mit der Agglomeration. Doch in Biels Keller modert eine Planungsleiche: der Autobahnanschluss «Bienne-Centre». Die ganze Geschichte gibt es nachzulesen in der heutigen NZZ.

Bildquelle: Stadt Biel


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UPDATE: 12.10.09

Nun will auch Solothurn einen See. Die Aare ist der Stadt nicht genug. Also liess man sich vom Architekturbüro Herzog & De Meuron eine Wasserstadt entwerfen. 500 Millionen Franken sollen verbaut werden. Inspirieren liess man sich von Port Grimaud in Südfrankreich. Nur: Wer will auf der Aare segeln? Wer seine Luxusyacht parken? Und seit wann herrschen am Jurafuss mediterrane Temperaturen?

Der Triumph des Mockens

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Schweizer Städte fördern energieeffizientes Bauen. Zurzeit lassen sich die strengen Minergie-P-Normen aber nur mit kompakten Gebäudevolumen erfüllen. Das Bild der Stadt wird sich verändern. Ferienbedingt etwas verspätet, der Link auf meinen NZZ-Artikel.

Bildquelle: Müller Sigrist Architekten – Projekt: Kalkbreite, Zürich.

Wohnen à la Hollandaise

In Zukunft soll auf diesem Blog mehr Kurzfutter zu lesen sein: Aufgeschnapptes, Erlebtes, Angedachtes. Sprich: Alles, was nicht für einen ausgewachsenen Artikel taugt aber trotzdem verwurstet werden will. Den Auftakt macht eine Beobachtung zum Wohnungsmarkt in Amsterdam.

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Speckig glänzt der schwarze Noppenboden im engen Treppenhaus. Die Gegend ist nicht die beste Amsterdams, der Ausländeranteil recht hoch. Trotzdem macht sie einen freundlichen Eindruck: Grund dafür ist die geringe Gebäudehöhe (maximal vier Stockwerke) sowie die Auflockerung der dichten Bebauung mit Freiräumen. Zudem liegen in Gehdistanz reizvolle Altbauviertel an Grachtenlage und szenige Familienquartiere. Der Clou der Amsterdamer Planer: Mit kleinräumiger Stadtentwicklung die Ghettobildung vermeiden. Und: Mit günstigen Mieten die Bewohnerschaft durchmischen.

Spekulation mit Sozialwohnungen

Die Wohnung im zweiten Stock ist vollgestellt mit Gerümpel der Mieterin: Unter dem Esstisch zwei abgedeckte TV-Geräte und ein Staubsauger, hinter der Couch ein demontiertes Gestell. Im Flur steht ein ausrangiertes Laufband. Stören tun sich daran nur die Untermieterinnen. Denn ihre landlady wohnt im fernen Surinam, einer niederländischen Ex-Kolonie. Dass sie ihre günstige Bleibe an drei Asiatinnen untervermietet ist zwar illegal – in Amsterdam aber gang und gäbe. Denn: Der Wohnungsmarkt in Amsterdam ist seit Jahren ausgetrocknet.
Ursache dieses Missstandes ist die Überregulierung des Wohnungsmarktes. Bei 95 % der Wohnungen wird der Mietpreis vom Staat festgelegt. Nur gerade 10% der Mietwohnungen kosten mehr als 650 Euro. Gegen 40% der Mieter erhalten staatliche Subventionen – insgesamt mehr als 2 Milliarden Euro wenden die Niederlande hierfür auf. Zusätzlich werden die privaten «woningcorporatie» vom Staat zu sozialem Wirtschaften angehalten. Gleichzeitig können Immobilienbesitzer ihre Hypothekarzinsen vollständig von der Einkommenssteuer abziehen. Summa summarum kostet der regulierte Markt die Gesellschaft rund 15 Millionen Euro. Und die Leidtragenden sind jene, die von diesem System eigentlich profitieren sollten: Arme, Studenten, Immigranten. Auf eine subventionierte Mietwohnung wartet man nämlich bis zu zehn Jahre und wer einmal eine dieser Sozialwohnungen («sociale huurwoningen») gekriegt hat, tritt sie auch nicht mehr ab, wenn er sich einmal eine teurere Bleibe leisten könnte. Zu lukrativ ist die Untermiete: Wohnungssuchende zahlen gerne das Doppelte und Dreifache der offiziellen Miete. Und berappen damit ihrer Wirtin den Lebenswandel in Südamerika.

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Chinesisches Autobahnbrücken-Potpourri

Ein chinesisches Autobahnbrücken-Potpourri. Gestaltet von Charis Arnold, mit einem Text- und Fotobeitrag meiner Wenigkeit.

Der Fahrstuhl nach oben ist besetzt.

In der heutigen «Mobil-Digital»-Beilage der Neuen Zürcher Zeitung findet sich mein Artikel über den Lift als öffentliches Transportmittel.

Und hier noch der unvermeidliche Song zum Thema von Rolf Erich a.k.a. Hazy Osterwalder aus dem Jahr 1963.

 

PS: Besten Dank an David Bauer für die Lift-Hinweise.

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