
Die Luft war stickig, der Saal voll. Die Herren etwas müde und dennoch zum Frotzeln aufgelegt. Die chinesischen Schriftsteller Yu Hua und Mo Yan beehrten die Literaturtage in Zofingen. Obschon er Lesungen für eine seltsame Erfindung hält, diese Herren wollte er sehen, hören, erleben. Schliesslich hat er den Buchschinken «Brüder» von Yu Hua verschlungen. Und das lag nicht allein an seinem Faible für literarische Zoten, Vulgäres und Überdrehtes. Nein, auch der Finessen wegen zog es ihn in den Aargau. Mit Li Er hatte am Nachmittag ein Autor seinen Auftritt, der die feine Klinge bevorzugt.
Und was nahm er mit? Einige Bonmots. Etwa über die Geschichte:
«Geschichte ist der Schritt eines Eunuchen, es hat nichts drin. Aber wir wissen, dass der Mönch vor seiner Kastration da ‘was hatte. Ich möchte aufzeigen, was in der Hose war.» Li Er
«Geschichte ist ein hübsches Mädchen, das man zurecht macht.» Li Er
Oder über die Kritikergilde:
«Wenn Kritiker mir vorschreiben wollen, wie man Bücher schreibt, ist das wie, wenn Eunuchen einem sagen, wie man Liebe macht.» Yu Hua
Und als er Yu Hua fragte, was er meinte mit: «Was die Chinesen erleben, muss ihnen nicht die Aussenwelt erklären», kriegte er eine Antwort, die er als Aufruf zum Dialog verstand. Oder verbittet er sich jegliche Einmischung von Aussen?
«Jeder Mensch weiss selber am besten, was er erlebt hat. Was die anderen darüber denken, spielt keine Rolle. Die Veränderungen der letzten 30 Jahre haben die Chinesen erlebt. Wir kennen auch die erfolgreichen Seiten der Entwicklung. Leute aus dem Westen können das nicht auf dieselbe Weise nachvollziehen, wie wir. Wenn ich lese, wie in westlichen Medien über die Entwicklung geurteilt wird, muss ich sagen: Das ist nicht das, was wir erleben.»