Matthias Daum

Freier Wortarbeiter

Wohnen à la Hollandaise

In Zukunft soll auf diesem Blog mehr Kurzfutter zu lesen sein: Aufgeschnapptes, Erlebtes, Angedachtes. Sprich: Alles, was nicht für einen ausgewachsenen Artikel taugt aber trotzdem verwurstet werden will. Den Auftakt macht eine Beobachtung zum Wohnungsmarkt in Amsterdam.

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Speckig glänzt der schwarze Noppenboden im engen Treppenhaus. Die Gegend ist nicht die beste Amsterdams, der Ausländeranteil recht hoch. Trotzdem macht sie einen freundlichen Eindruck: Grund dafür ist die geringe Gebäudehöhe (maximal vier Stockwerke) sowie die Auflockerung der dichten Bebauung mit Freiräumen. Zudem liegen in Gehdistanz reizvolle Altbauviertel an Grachtenlage und szenige Familienquartiere. Der Clou der Amsterdamer Planer: Mit kleinräumiger Stadtentwicklung die Ghettobildung vermeiden. Und: Mit günstigen Mieten die Bewohnerschaft durchmischen.

Spekulation mit Sozialwohnungen

Die Wohnung im zweiten Stock ist vollgestellt mit Gerümpel der Mieterin: Unter dem Esstisch zwei abgedeckte TV-Geräte und ein Staubsauger, hinter der Couch ein demontiertes Gestell. Im Flur steht ein ausrangiertes Laufband. Stören tun sich daran nur die Untermieterinnen. Denn ihre landlady wohnt im fernen Surinam, einer niederländischen Ex-Kolonie. Dass sie ihre günstige Bleibe an drei Asiatinnen untervermietet ist zwar illegal – in Amsterdam aber gang und gäbe. Denn: Der Wohnungsmarkt in Amsterdam ist seit Jahren ausgetrocknet.
Ursache dieses Missstandes ist die Überregulierung des Wohnungsmarktes. Bei 95 % der Wohnungen wird der Mietpreis vom Staat festgelegt. Nur gerade 10% der Mietwohnungen kosten mehr als 650 Euro. Gegen 40% der Mieter erhalten staatliche Subventionen – insgesamt mehr als 2 Milliarden Euro wenden die Niederlande hierfür auf. Zusätzlich werden die privaten «woningcorporatie» vom Staat zu sozialem Wirtschaften angehalten. Gleichzeitig können Immobilienbesitzer ihre Hypothekarzinsen vollständig von der Einkommenssteuer abziehen. Summa summarum kostet der regulierte Markt die Gesellschaft rund 15 Millionen Euro. Und die Leidtragenden sind jene, die von diesem System eigentlich profitieren sollten: Arme, Studenten, Immigranten. Auf eine subventionierte Mietwohnung wartet man nämlich bis zu zehn Jahre und wer einmal eine dieser Sozialwohnungen («sociale huurwoningen») gekriegt hat, tritt sie auch nicht mehr ab, wenn er sich einmal eine teurere Bleibe leisten könnte. Zu lukrativ ist die Untermiete: Wohnungssuchende zahlen gerne das Doppelte und Dreifache der offiziellen Miete. Und berappen damit ihrer Wirtin den Lebenswandel in Südamerika.

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Marshall’s little helper

Fett, süchtig, ein Wrack: Drei Jahre lang war Eminem dem Tod näher, als der Hitparaden-Spitze. Abgemagert und clean präsentiert er sich heuer auf seinem sechsten Studioalbum: «Relapse» – ein grossartiger Rückfall. (Meine Kritik in der morgigen NZZ)

«I guess it’s time for you to hate me again / Let’s begin now hand me the pen»

Eminem, «Medicine Ball», 2009

Der Diener, der Stratege und der Tüftler

Sie ist das Rückgrat der modernen Arbeitswelt: Die Telekommunikation. Für das NZZcampus-Magazin besuchte ich drei (unbekannte) Schlüsselfiguren dieser facettenreichen Branche. (PDF)

«Während die Unternehmen sich an der Gewinnmaximierung orientieren, müssen wir aus Sicht des Staates eine gesamtheitliche Position abstecken.»

Philipp Metzger, Vizedirektor, Bundesamt für Kommunikation.

«Es geht nicht um das x-te Feature irgendeiner Applikation, die von einem halben Dutzend Usern benutzt wird. Wir entwickeln für potenziell zig Millionen Anwender. Das motiviert unglaublich.»

Andreas Strebel, VoIP-Program-Manager, Microsoft.

«Wir wollen das Verhalten der Kunden verstehen. Man kann die Leute nicht fragen: Welche Kommunikationsplattformen wollen Sie in Zukunft nutzen? Die werden einen anschauen und fragen: Was meinen Sie damit?»

Stéphane Dufour, Strategie- und Innovationsexperte, Swisscom Schweiz.

Helvetia in der Welt

schweizchina
Der Steuerstreit mit der EU, die schwarzen Listen der OECD, die Rassismuskonferenz der Uno in Genf: Wo die offizielle Schweiz zurzeit internationales Parkett betritt, hagelt es Kritik. Planlos seien die Auftritte, es fehle der Schweizer Aussenpolitik an einer Strategie. Von links bis rechts wird der Ruf nach einer neuen Aussenpolitik laut. Aber wie könnte diese aussehen? Wie sollen und können sich Helvetias diplomatische Söhne und Töchter zukünftig in der Welt bewegen? Diesen Fragen widmet sich diese Woche NZZvotum. Daniel Möckli vom Center for Security Studies der ETH Zürich versucht eine zukünftige Schweizer Aussenpolitik zu skizzieren. Vom 4. bis 8. Mai präsentiert er 5 Thesen zur Zukunft der Schweizer Aussenpolitik.

Überwachte Übersicht

Die Welt ist eine Datenbank, in der wir alle Suchende und Gesuchte sind, sagt Technikhistoriker David Gugerli von der ETH Zürich. Die Konsequenzen dieser tabellarischen Ordnung werden jedoch erfolgreich verdrängt. Mein Interview mit Gugerli findet sich in der heutigen NZZ.

Das Bild zeigt Eduard Zimmermann, dessen Sendung «Aktenzeichen XY … ungelöst» Gugerli in seinem Buch als eine von vier Suchmaschinen avant la lettre beschreibt.

Was im Blatt nicht mehr Platz fand, ist ein kurzer Exkurs zu den Problemen der Geschichtswissenschaft mit der Software-Historie:

«Es ist ein Grundproblem der Technikgeschichte, dass man sich mit technisch nicht mehr gültigen Lösungen zu beschäftigen hat. Erschwerend kommt bei der Software-Geschichte hinzu: Programmcode zu lesen ist etwas extrem Schwieriges. Zudem kann man die Software vielfach nicht mehr in Betrieb anschauen, weil die entsprechenden Rechnern nicht mehr funktionieren».

Übrigens: Dass Gugerli eine grosse Affinität zur Technik hat, zeigt nur schon der Blick auf sein Pult. Statt Bücherstapel oder einer angejahrten Hermes Baby prangen dort zwei (!) grosse Flachbildschirme.

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