Matthias Daum

Freier Wortarbeiter

2000 Watt – 2000 What?

43494296Cool Cities. Der Titel ist catchy. Wie immer, wenn niederländische Architekten sprechen, schreiben, denken, bauen. Einer ihrer bekanntesten Vertreter sprach am Dienstagabend in Zürich. Und der 50-jährige Winy Maas liess sich nicht lumpen. Eine Powerpoint-Präsentation als visuelles Sperrfeuer. In 80 Minuten bombardierte er die Zuhörer mit geschätzten 300 Fotos, Statistiken, Renderings. Leserbar war kaum etwas. Aber das ist eine bekannte Architekten-Masche. «Wissenschaftlichkeit, my ass!» ist ihr Motto. Da wird gebastelt, mit Zahlen jongliert, werden Daten zurechtgehämmert. Aber: Solche Bilderreigen sind inspirierend! Sehr sogar. Oder neudeutsch: «I like!» – zumindest bis vor ein paar Jahren.

Heute befallen einem Zweifel an dieser Arbeitsweise. Ist es noch zeitgemäss, dieses architektonische und städtebauliche Consulting? Oder ist diese Oberflächlichkeit, dieses «Ich-erzähl-euch-wie-die-Welt-funktioniert-aber-will-keine-Verantwortung»-Haltung nicht überholt? Müsste man Winy und die Seinen nicht ebenso verfluchen, wie im Nachgang der Finanzkrise die Dampfplauderer von McKinsey-PWC-KMPG & Co.?

Denn, mit Verlaub, was Maas an seinem Vortrag oder im heutigen Tages-Anzeiger-Interview erzählt ist teils trivial – oder schlicht falsch. «Die grossen Investoren haben sich des Themas bereits angenommen», sagt Maas. Wir fragen: Wieso gibt es dann erst einige wenige Leuchtturm-Projekte, die den strengsten Nachhaltigkeits-Standards genügen? Genau, weil sich solche Projekte (noch) nicht lohnen; Stichwort: Ölpreis etc. Oder wenn er für Megastrukturen plädiert: Da hüpft unser Herz! Sehen auch toll aus, die Entwürfe. Aber: Nachhaltigkeit ist Realpolitik! Also: wer will in solchen gebauten Bandwürmern wohnen? Oder wenn Maas gegen den Skeptizismus wettert, ist das unterhaltsam – aber es offenbart die altbekannte dunkle Seite der Architekten-Zunft: Ihr demiurgisches Ich. Wobei er sich mit dieser Kritik selber widerspricht. Schliesslich meint er:

«Es geht ja bei diesen Fragen eigentlich um mehr als nur um Energie, es geht fast um eine Art Anspruch auf Wahrheit. Wir müssen aufpassen, dass wir all die neuen Nachhaltigkeitsregeln richtig interpretieren. Die Regeln haben ihre Berechtigung, ich aber frage mich: Was passiert, wenn wir die total nachhaltige Stadt gebaut haben?»

Genau darüber hätten wir gerne mehr gehört. Auch wir haben uns dazu schon Gedanken gemacht: Droht uns der Triumph des Mockens? Aber Maas’ Antwort zeugt von einem eklatanten Missverständnis des Themas.

«Wir können das Thema dann auf die Seite legen und uns an die nächsten Aufgaben machen.»

Falsch! Falsch! Falsch! Elendes Architektendenken! Nachhaltigkeit ist keine Mode. Kein Stil. Keine Religion. Nachhaltigkeit ist ein ewiges Streben. Nach weniger Energieverbrauch, besseren Lösungen. Und das in ästhetischen Formen.

Platzmangel an der Côte

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Das Bild täuscht: Am Genfersee herrscht Platzmangel. Das Bauland ist knapp. Vieles ist überbaut, manches wird gehortet. Für die NZZ wälzte ich Statistiken und Studien des Bundes, der Credit Suisse sowie von Wüest & Partner und wühlte in den Medienarchiven. Heraus kam der heutige Artikel in der NZZ.

Was keinen Platz mehr fand, war eine kurze Nebengeschichte zum Welschen, seinem Auto und der S-Bahn. Aber meiner Blogleserschaft will ich es nicht vorenthalten. Denn: Gut ausgebaute Verkehrswege sind ein wichtiger Standortvorteil. Auch am Genfersee. Die Autobahnen 1 und 9 verbinden den Seebogen. Doch auf der Strecke zwischen Lausanne und Genf herrscht dauernd Staugefahr. Also ab auf die S-Bahn. Nur, was legitimiert deren Name?  Sind sie doch in Tat und Wahrheit einstöckige Regionalzüge, die mit angejahrtem Rollmaterial verkehren. Die Verbindungen zwischen den Städten gewährleisten Intercity- und Interregio-Züge. Ob ein S-Bahn-Ausbau das Stauproblem lösen würde? Wie der Mikrozensus zum Verkehrsverhalten (2005) des Bundesamtes für Raumentwicklung zeigt, macht eine gut ausgebautes S-Bahn-System 10 Prozent der Autofahrer zu ÖV-Konvertiten. Während am Genfersee 39 Prozent der Pendler das Auto benützen, sind es um Zürich deren 29. Beliebter ist das Auto nur noch – genau, im Tessin.

Passend dazu widme ich mich als nächstes der Frage, wie der ÖV-Ausbau die Schweizer Landschaft verändert hat.


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Legere Lebensbeichte

Zwei Konzertkritiken für die NZZ aus meiner Feder: Die englische Rapperin (Bild) Speech Debelle entzückt in der Roten Fabrik, während ihre Kollegin Lady Sovereign in der Härterei enttäuschte.

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