Der Drachentöter
Seine Warnungen wurden belächelt. Bis die Krise kam. Heute ist Didier Sornette, Professor für unternehmerische Risiken an der ETH Zürich, ein gefragter Mann.
Wie beweist man seine hellseherischen Fähigkeiten? Mit einer Vorhersage für ein dramatisches Ereignis. Ein Erdbeben, einen Terroranschlag – oder das Platzen einer Finanzblase. «Zufall!», «Glück!», hallt es aus der Wissenschaftswelt zurück. Doch damit kann Didier Sornette leben. Zumindest heute. Seit Beginn der Finanzkrise ist der ETH-Professor ein gefragter Mann. 2004 sagte er, die Immobilienblase in den USA werde ihren Höhepunkt Mitte 2006 erreichen. Und Ende 2007 prognostizierte er das Ende der chinesischen Börsenblase auf Mitte 2009. Er hatte recht.
1957 in Paris geboren, durchlief Sornette die klassisch-französische Elitenbildung. An der Ecole normale supérieure studierte er Physik. Später arbeitete er am Centre national de la recherche scientifique. Von sich sagt er: «Ich bin der untypischste Franzose. Ich mag keinen Wein. Und Frankreich ist zwar schön – wenn nur die Franzosen nicht wären.» So übersiedelte er nach Kalifornien. 1999 wurde er Professor an der University of California in Los Angeles. Seit 2006 forscht er an der ETH Zürich am Lehrstuhl für Entrepreneurial Risk. Seine Begeisterung für die Wissenschaft ist ansteckend.

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