Wovon träumt der Mittelstand?
Egal, ob Linke oder Rechte, alle Politiker lieben ihn: den Mittelstand. Ihm fühlen sich die Parteien verpflichtet. Ihn wollen sie stärken, belohnen oder retten. Nur, wer oder was ist der Mittelstand in der Schweiz? Was steckt hinter den statistischen Grössen, über welchen ihn die Bundesbeamten und Bankökonomen definieren?
Diesen Fragen will ich in den nächsten Monaten in mehreren Artikel nachgehen. Als erstes treibt mich die Frage um: Wovon träumt der Mittelstand. Vom Häuschen habe ich bereits hier berichtet. Aber was sind die anderen Fixpunkte in ihrem Leben? Welche Werte vertreten sie? Wo liegt ihr Shangri-La?
Haben Sie, liebe Leserinnen und Leser, eine Ahnung? Eine Vermutung? Ich bin gespannt auf Ihren Input. Entweder hier in den Kommentaren, per Mail an mail at matthiasdaum.ch oder per Telefon unter 043 539 96 03
Hier eine Kollegen-Meinung:
Ich frage mich, ob es überhaupt eine gültige Definition für den Mittelstand gibt.
Mittelstand kann man über das Einkommen bzw. Vermögen definieren. Dann entsteht eine äusserst grosse und heterogene Gruppe. Es wäre dies wohl die Definition, derer sich das Bundesamt für Statistik bedient.
Wenn du den Traum vom Einfamilienhaus auf dem Land beschreibst, zielt Mittelstand aber in die Richtung von Denkmodellen und Lebensentwürfen.
Unsere Familie gehört nach Einkommens-Situation zweifellos zum Mittelstand, ich hatte aber bspw. nie den Traum eines Einfamilienhauses auf dem Land. Wir haben zwar auch ein Haus, aber es war für uns immer klar, dass dies in der (Klein)-Stadt stehen muss, weil wir ohne Auto auskommen und auf ein gewisses Infrastruktur-, Kultur- und Sportangebot nicht verzichten wollen.
Es gäbe neben dem Einfamilienhaus sicher noch viele Wünsche, Lebensentwürfe und Denkweisen, mit derer Hilfe man grosse Gruppen der Bevölkerung unterscheiden könnte – obwohl sie per definitionem der Gruppe des Mittelstandes angehören.
Ich sehe die Sachelage ähnlich. Aber gerade weil die (unterschiedlichen) ökonomischen Definitionen von Mittelstand zu kurz greifen, finde ich es wichtig, sich dieser schweigenden Mehrheit vermehrt journalistisch zu widmen.
Mir schwebt vor, dieser Repo http://www.nzz.ch/nachrichten/schweiz/unser_heim_1.5822196.html weitere folgen zu lassen. Quasi, sich dem MIttelstand in Themen-Happen zu nähern.
Aber was würden Sie, liebe Leserinnen und Leser sagen, welche Träume oder Ziele sind neben dem «Hüsli» zentral? Ferien? Auto?
UPDATE 11.11.10:
Auch bei Avenir Suisse macht man sich Gedanken zum Mittelstand. Neo-Jefe Gerhard Schwarz gegenüber tagesanzeiger.ch
Eine spannende Frage dabei ist, ob die Reformen, für die wir eintreten, nicht ausgerechnet dem Mittelstand schaden, der uns weltanschaulich unterstützt. Wenn wir beispielsweise dafür sind, dass die Leute ihre Kosten möglichst selber tragen, führt das zu höheren Gebühren und Tarifen. Die unteren Schichten der Bevölkerung erhalten Subventionen, die oberen Schichten kümmert es nicht. Aber den Mittelstand schmerzt es.
Und Claude Longchamp meint auf seinem Stadtwanderer-Blog:
thomas minder, bürgerlich denkender unternehmer aus dem schaffhausischen und initiant gegen die abzocker-mentalität der banken, hat der stimmungslage des mittelstandes wieder eine stimme gegeben.
UPDATE 6.12.10:
Das Büro für arbeits- und sozialpolitische Studien (BASS) hat im Auftrag des Verbands Angestellte Schweiz eine Erhebung über die wirtschaftliche Situation des Schweizer Mittelstandes gemacht. Ihrer Untersuchung legten die BASS-Fachleute dabei eine klare Definition des Mittelstandes zugrunde. Demnach entfallen je ein Fünftel (also je 20 Prozent) auf die einkommensschwachen und die einkommensstarken Haushalte. Die drei mittleren Fünftel bilden den Mittelstand, der wiederum in einen unteren, mittleren und oberen Mittelstand aufgeteilt werden kann.








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