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26. Mai 2011, Die Zeit

Rechtes Utopia

Prominente Ökonomen wollen die Schweiz zum Stadtstaat à la Singapur machen.

Man sieht Konrad Hummler, den schnauzbärtigen Bankier, leibhaftig vor sich, wie er sich beim Schreiben dieser Zeilen enervierte: »So macht unser Land keine Freude mehr. Mit dem immer widerlicher werdenden Überangebot an Schweizerkreuzen lässt sich keine Aufbruchstimmung herbeizaubern.« Der geschäftsführende Teilhaber der Privatbank Wegelin, der frischgebackene Verwaltungsratspräsident der Neuen Zürcher Zeitung und eifrige Debattierer, er leidet an der Schweiz. Lustvoll und mit Verve. In seiner monatlichen NZZ -Kolumne oder in seinem Anlagekommentar, der mehr Weltbetrachtung als Investitionsempfehlung ist.

Hummler lechzt nach Veränderung, nach einer neuen Strategie für die Zukunft des Landes. Sein Steckenpferd ist der Stadtstaat. Bereits vor zwei Jahren schrieb er in diesem Blatt: »Die Schweiz ist zur Stadtrepublik mit großzügigen landschaftlichen Unterbrüchen zwischen den einzelnen Quartieren und einem fantastischen Erholungsgebiet in den Alpen zusammengewachsen.« Nun publiziert er seine Vision in Buchform – zusammen mit einflussreichen Schweizer Ökonomen, darunter die Professoren Franz Jaeger und Reiner Eichenberger, Robert Nef vom Liberalen Institut oder Avenir-Suisse-Direktor Gerhard Schwarz.

Aber was taugt die Stadtstaatidee für ein Land, wo der Stadtpräsident von Zug beleidigt ist, wenn man beim Apéro-Smalltalk seine Gemeinde als reiches Westend von Zürich bezeichnet? Weckt sie tatsächlich den Patienten Schweiz aus seinem Koma, wie dies Hummler hofft? Oder ist das Nachdenken über den city state nur ein akademisches Glasperlenspiel?

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Bild: Skyline Singapur, 2007. Flickr.