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19. Juli 2012, Die Zeit

Fluch der starken Marke

Schon wieder streitet sich die Schweiz mit Amerika um Bankkonten. Diesmal geht es um die Millionen von Präsidentschaftskandidat Mitt Romney.

Schweizer Bankkonto. Zwei Worte genügten. Und das amerikanische Fernsehpublikum wusste, was sein amtierender Präsident ihm suggerieren wollte: Mein Widersacher ist ein Steuerhinterzieher. In den USA hat die dreckige Phase des Wahlkampfs begonnen, nun dominiert die Negativpropaganda. Und betroffen ist auch die Schweiz. Denn Mitt Romney, Präsidentschaftskandidat der Republikaner, hat Teile seines Vermögens im Ausland parkiert. Mitunter bei der Großbank UBS.

Seither grassiert unter den Demokraten die »Swissophobia« , wie Matt Welch, Chefredaktor des libertären Monatshefts Reason, die Aufregung um das ominöse Konto nannte. Wo Schweiz draufsteht, dahinter wird überall ein unpatriotisches Steuervergehen vermutet.

Der Wirbel begann am 1. Mai in Ohio, einem der heiß umkämpften swing states, wo weder Demokraten noch Republikaner sichere Mehrheiten besitzen. Ein 31 Sekunden langer, schnell geschnittener TV-Spot zeigt Mitt Romney als abgehobenen Mann der Hochfinanz, der amerikanische Jobs ins Ausland verlagerte, nach Mexiko und China; als Politiker, der Verwaltungsarbeiten an ein Call Center in Indien vergab und Steuererleichterungen für Firmen unterstützte, die Stellen ins Ausland verschoben. Das Filmchen endet mit der Punchline: »Genau das erwartet man von einem Typen, der ein Schweizer Bankkonto besaß.«

Das saß. Nun war wieder einmal klar, wo das Böse schlechthin sitzt: in der Schweiz. Wieso aber ausgerechnet dort? Das fragte sich auch Matt Welch: »Wissen Sie, wer auch ein Schweizer Bankkonto hatte? Ich meine, neben Hitler?«, schrieb er: »Veteranen, Doppelbürger, amerikanische Mitarbeiter der internationalen Organisationen in Genf.«

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Bild: Flickr