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GENERALSEKRETAER INTERPHARAM
23. Juli 2009, Die Zeit

Der Politikerflüsterer

Dank der Lobbyarbeit von Thomas B. Cueni hat die Pharmaindustrie noch keine wichtige Abstimmung verloren. Doch die Macht bröckelt

Aalglatt. Steif. Kalt. Mit seinen Auftritten erntet Thomas B. Cueni kaum Sympathien. Der Generalsekretär des Branchenverbands Interpharma entspricht dem Bild eines unnachgiebigen Interessenvertreters. Und Lobbyisten gelten weitherum als Schmuddelkinder. Doch ohne sie würde das Milizsystem implodieren. Oder wie der Politberater Iwan Rickenbacher sagt: »Es braucht das Lobbying. Die Parteien und Fraktionen sind gar nicht in der Lage, diese Grundlagenarbeit zu leisten.«

Und niemand betreibt »diese Grundlagenarbeit« so durchschlagend wie Interpharma. Im Basler Büro der Lobbyorganisation herrscht guterhaltene Fünfziger-Jahre-Ästhetik, man versinkt im Ledersofa. Gegenüber sitzt aufrecht ein Mann mit Debattierlust. Thomas B. Cueni ist auch im Gespräch kein Charmebolzen. Aber statt Kälte strahlt er Scharfsinn und Fachwissen aus. Seine Wortsalven sind gespickt mit Studienzitaten und Wissenschaftlernamen. »Die Arbeit ist intellektuell wahnsinnig spannend«, sagt er. Seit 20 Jahren führt der Ökonom und Politologe den Verband. Unter seiner Ägide hat die Pharmaindustrie keine wichtige Volksabstimmung verloren, und Interpharma wurde vom Vier-Mann-Büro zum PR- und Lobbybetrieb mit 15 Vollzeitstellen sowie einem geschätzten Jahresbudget von drei bis vier Millionen Franken.

Was macht den Erfolg der Pharmalobby aus? »Die Branche genießt in der Schweiz große Akzeptanz, weil sie einen volkswirtschaftlichen Nutzen bringt und ihre gesellschaftliche Verantwortung wahrnimmt«, sagt der Politologe Claude Longchamp. Alljährlich lässt sein Forschungsinstitut gfs die Bevölkerung das Gesundheitswesen beurteilen. Auftraggeber dieses »Gesundheitsmonitors« ist Interpharma. Die Resultate sind schmeichelhaft. Wird nach der Kompetenz der Akteure im Gesundheitswesen gefragt, rangiert die Pharmaindustrie durchwegs vor ihren Widersachern, den Krankenkassen. Mäßig beurteilt man indes die Informationspolitik der Branche. Für gut die Hälfte der Befragten ist diese nicht transparent.

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